Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm über der Macht, darum verblaßt der Reichtum neben der Prominenz.“

Georg Franck: Ökonomie der Aufmerksamkeit, 1998

Wer kennt es nicht? Kurz noch einmal die Mails und die neuesten Nachrichten checken oder auch in den sozialen Netzwerken auf den aktuellen Stand gebracht werden. Diese Handlungen bestimmen zunehmend unseren Tagesablauf und das auf ganz subtile Art und Weise – denn was  in der Werbung funktioniert, ist längst Alltag geworden.

Wir Menschen besitzen alle eine knappe Ressource – unsere Aufmerksamkeit. Ohne sie würde unsere Wahrnehmung nicht funktionieren, da beide miteinander gekoppelt sind. Die Zuwendung auf einen Reiz oder auch Gedanken lässt diesen erst für uns bewusst werden. Für uns Menschen ist die Aufmerksamkeit also von existentieller Wichtigkeit.

Nun stehen wir am Anfang des 21.Jahrhunderts und besitzen so tolle Gadgets wie Smartphone, Smartwatch oder auch Smarte-Kühlschränke, welche unsere ständige Aufmerksamkeit einfordern. Hier eine Mail schreiben, da ein Like hinterlassen und bloß nicht den Kommentar vergessen. So kann schon mal eine halbe Stunde vergehen, in der man „nur mal kurz“ antworten wollte.

Sicherlich bietet diese neue Art der Interaktion große Vorteile gegenüber der alten „analogen“ Kommunikation. Wollte man sich vor einigen Jahren verabreden, war pünktliches erscheinen eine Prämisse, wollte man nicht als unzuverlässig gelten. Dies hat sich heutzutage zwar nicht geändert, allerdings hat man nun die Möglichkeit sein Zuspätkommen frühzeitig anzukündigen und damit ein etwaiges „im Regen stehen“ zu vermeiden.

Anzuerkennen ist, und das halte ich für einen riesigen Vorteil, der Zugang zu Informationen jedweder Art. Zugang zu guter Bildung, ganz unabhängig vom Einkommen, ist eine fantastische Chance für jeden! Denn dies führt zu fruchtbaren Ideen und Innovationen, auf allen Ebenen einer Gesellschaft.

Betrachtet man nun die andere Seite der Medaille, zeigt sich ein etwas anderes Bild. Im Bezug auf Kommunikation, welche in unserer Kultur eine äußert positive Konnotation besitzt, wird das Problem vielleicht deutlich: Genau wie beim Essen muss auf ein angemessenes Maß geachtet werden!

Vieles in unserer Kommunikation ist einfach überflüssig. Beispiele gibt es genug und es reicht anzumerken, dass Postings von den erstanden Lebensmitteln, der neusten Anschaffung im Mode- und Beautybereich oder auch die Meinung zum aktuellen Wetter, in diese Kategorie fallen. Und um bei der Analogie des Essens zu bleiben – mal ist ok, zu viel macht krank.

Was passiert, wenn maßlos gegessen wird, kann sich jeder vorstellen. Der Körperfettanteil nimmt zu und körperliche Probleme, wie Bluthochdruck, Herzinfarkte und Schlaganfälle, können auftreten. Doch Probleme müssen sich nicht immer körperlich äußern.

Seit einigen Jahren liest und hört man von immer häufiger auftretenden Burnout- oder Überforderungsdiagnosen. Dabei spielt ein nicht, bzw. falsch antrainiertes Verhalten mit den neuen Medien eben auch eine entscheidende Rolle.

Wir benötigen Strategien, damit unsere Aufmerksamkeit auch Zeit bekommt, sich mit den Dingen außerhalb und innerhalb unseres Seins zu beschäftigen. Die Dysbalance ist erkannt – wir müssen sie nur ausgleichen lernen.

 

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