Ich hatte heute beim Mittagessen eine sehr interessante Unterhaltung. Es ging darum, wie mich Freunde in dieser hochtechnisierten Welt noch erreichen können. Hintergrund, weshalb dies ein Problem darstellt: ich habe kein Facebook, vermeide WhatsApp und lass mein Handy mit voller Absicht Zuhause. Nun ist es nicht so, dass ich mich gänzlich der Technik verweigern möchte – so nutze ich beispielsweise Telegram, ICQ und per Mail bin ich ebenfalls erreichbar. Nur eben nicht immer und überall!

Der Entschluss, auf die Services von Facebook zu verzichten, kam mir bereits 2012, als ich mal wieder den Newsfeed von Facebook durchscrollte und feststellte, dass mich die geteilten Inhalte meiner knapp 400+ „Freunde“ anödeten. Substanzielle Inhalte fehlten und ich verbrachte die meiste Zeit damit, mich durch augenscheinlich lustige und einzigartige Bilder und Aphorismen zu kämpfen, welche von Katzen und renitenten Bekundungen nur so strotzten. Gleichzeitig erkannte ich ein gewisses Kommunikationsproblem, welches sich darin äußerte, als dass Themen, welche zuvor auf Facebook gepostet wurden, nicht mehr in der direkten, persönlichen Kommunikation aufkamen.

Als 2013 dann Edward Snowden die NSA-Leaks veröffentlichte, war es für mich wie ein Erwachen aus einem unruhigen Schlaf. Das Wissen um die vollständige Überwachung und Aufzeichnung der Internetaktivitäten empfand ich als so unglaublich, dass ich meinen Facebook-Account löschte und eine gewisse Freiheit empfand. Dieses Freiheitsgefühl begründe ich in der Retrospektive auch damit, dass mir mehr Zeit für andere Aktivitäten blieben – besonders spannend war dabei vor allem das Gefühl, wieder Langeweile zu haben.

Springen wir wieder in die Gegenwart. Ablenkung ist allgegenwärtig und erwünscht. Die sozialen Medien spielen dabei, mit den diversen Möglichkeiten der Interaktion und Reaktionen, eine entscheidende und tragende Rolle. Jeder Post kann kommentiert, geliked, geshared und weitergehyped werden. Diesen Feedbackloop haben alle erfolgreichen Medien integriert und die Auswirkungen sind, sobald man den Kopf einmal vom Bildschirm hebt und sich umschaut, jederzeit sichtbar. Der Duden nahm dafür sogar das Jugendwort Smombi in seinen Kanon auf – wir leben als digitale Zombies vor uns hin und suchen die Ablenkung.

Da ein blinken, dort ein piepen. Jederzeit erreichbar sein und nochmal kurz zurückschreiben. Das erzeugt Stress. Augenscheinlich positiver, denn man erhält ja positives Feedback durch Likes, Smilies und sonstige Emotionsverstärker. Aber ist es wirklich so? Ich habe da irgendwie Zweifel.

Diesem Trend möchte ich entgegentreten und verzichte bewusst! auf diese Okkupierung meiner Aufmerksamkeit.

Dies führt nun zu einem gewissen Dilemma. Auf der einen Seite möchte ich am gesellschaftlichen Leben partizipieren und regen Austausch mit Freunden pflegen. Andererseits trete ich, und jeder, der schon einmal mit Vegetariern oder Veganern geredet hat, wird das Gefühl kennen, für gewisse Werte ein. Dabei erachte ich beispielsweise die eigene Privatsphäre, Achtsamkeit im Umgang mit meiner Umwelt oder auch eine gewisse Entschleunigung, als besonders erstrebenswert. Dies führt in meinem Freundeskreis teilweise zu Ablehnung und Unverständnis. Aber genau wie die eben angesprochenen fleischlosen Ernährungsmodellen muss man eben in den sauren Apfel beißen, möchte man ohne Reue in den Spiegel gucken.

Schlussendlich wird die Zukunft zeigen, inwieweit sich diese beiden Welten auseinanderdividieren werden. Ich kann mir sehr gut vorstellen, zum Teil erlebe ich es bereits, das Kontakte zu Freunden früher oder später abbrechen werden. Das Unvermögen, mehrspurig zu fahren und den schnellen und einfachen Weg abzulehnen, wird sich nicht durchsetzen, sodass ich mich schon einmal mit den Gedanken eines digitalen Eremitenlebens auseinandersetzen kann. Vielleicht liege ich auch falsch und morgen kommt eine Technik, die sich mit meinen Werten vertragen – wir werden es sehen….

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